Wichernheim Heidelberg

Als die Haare fielen stieg die Würde

Ehrenamtliche legten bei Bedürftigen und Obdachlosen Hand an - Aktion erstmals in der Region

Viele wenden sich ab, wenn sie in der Fußgängerzone oder anderswo Menschen mit etwas ungepflegterem Äußeren sehen. Dieses Verhalten hat Maya McDonald, Gründerin des Vereins "Herzlichter", immer wieder beobachtet. Mit ihrer Idee, Haarschnitte und Bartpflege für Obdachlose und Bedürftige anzubieten, möchte sie etwas ändern.

Im Innenhof des Wichernheims in der Altstadt ging es aber nicht nur um Äußerlichkeiten. "Es ist wichtig, Menschen, die es sich nicht leisten können, durch einen Haarschnitt zu mehr Würde, Selbstachtung und einem bisschen geraderen Kreuz zu verhelfen", so Andreas Schubert, der die Aktion geplant hatte. Brigitte Lorczyk vom Wichernheim hatte zusammen mit dem Sozialdienst Werbeflyer in allen Heidelberger Einrichtungen für Wohnungslose verteilt, was für viel Betrieb im Wichernheim sorgte.

Die 14 Frisöre, die an diesem Tag in der Plöck waren, haben sich extra für die Aktion einen Tag Urlaub genommen und boten kostenlos ihre Dienstleistungen an. Nicht nur Heidelberger waren unter ihnen: "Ich komme vom Salon ,Art of Hair‘ in Düren und wollte schon immer mal bei so etwas mitmachen. Ich freue mich sehr, anderen Menschen heute mit meiner Arbeit zu helfen", sagte Handan Günar, die seit zehn Jahren Frisörin ist.

Andreas Schubert hat speziell für den Tag hochwertige und natürliche Haarprodukte zur Verfügung gestellt: "Wenn schon, denn schon." Schubert wurde in seiner knapp dreiwöchigen Planung inspiriert und unterstützt von den "Barber Angels", einem wohltätigen Frisörverein aus Biberach. Haaraktionen für Bedürftige seien deutschlandweit verbreitet, nur im Rhein-Neckar-Kreis noch nicht.

In der Plöck kam die erstmals stattfindende Aktion gut an und schien viel zu bewirken: lächelnde und entspannte Gesichter bei den Bedürftigen. Vorher-Nachher-Fotos wurden gemacht, viele Haare lagen auf dem Boden. "Wenn heute nur 60 Prozent glücklich sind, haben wir gewonnen und die Arbeit hat sich ausgezahlt", so Schubert.

"Es ist einfach cool, Menschen im Alltag zu unterstützen", freute sich die Heidelberger Studentin Sarah Schurer, als sie einem Bedürftigen die Haare wusch. Auch die Bloggerin Marlen Schneider half tatkräftig mit: "Mit meinem Mitbewohner habe ich 150 gespendete Brötchen geschmiert."

Aus eigener Initiative heraus rief sie bei den dafür nötigen Sponsoren an. "Der Galeria Kaufhof hat zudem Bus- und Bahntickets für Helfer spendiert. Auch ,Chicks'n Ribs‘ aus Walldorf waren sofort dabei und lieferten Wurstsalat", zählte Andreas Schubert weitere Unterstützter auf.

"Ich habe beim Aufbau geholfen und wohne hier im Wichernheim. Das Heim setzt sich für Menschen in sozial schweren Lagen ein und hilft bei der Resozialisierung", erklärte die 30-jährige Stephanie Hoffmann.

Es passe gut zum großen sozialen Engagement der Einrichtung, Gastgeber für "Herzlichter" zu sein. Helfer, Besucher und Initiatoren sind sich sicher: Die Aktion wird wiederholt.

Quelle: Rhein- Neckar- Zeitung Online, 05.08.2018

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