Wichernheim Heidelberg

Obdachlose Frauen haben es besonders schwer

Der "Arbeitskreis Frauen" sucht für Betroffene kostengünstigen Wohnraum - Der ist in Heidelberg aber schwer zu bekommen.


Von Marion Gottlob

Obdachlos - für Frauen in Heidelberg ist dieses Schicksal besonders hart, denn es gibt immer weniger Vermieter, die ihnen eine Wohnung mit günstiger Miete bieten. Mehr als zehn soziale Einrichtungen aus Heidelberg, Bruchsal und Mannheim haben sich jetzt zusammengetan, um diesen Frauen zu helfen. Im RNZ-Gespräch waren sich Cathleen Cofie-Nunoo und Sarah Buschbeck vom SKM-Frauenraum, Miriam Hotel, Leiterin der Bahnhofsmission, und Melanie Doley, Sozialarbeiterin im Wichernheim, einig: "Obdachlose Frauen brauchen besonderen Schutz.

"Früher waren vor allem Männer obdachlos, inzwischen haben die Frauen aber kräftig "aufgeholt". Schätzungsweise die Hälfte der Obdachlosen in Heidelberg dürfte weiblich sein. Allerdings zeigen Frauen ihre Obdachlosigkeit selten offen. Da sieht man beispielsweise eine ältere Dame in gepflegter Kleidung, die heimlich in Mülltonnen nach Resten sucht. Oft finden Frauen für die Nacht bei einem Mann ein Dach über dem Kopf - manchmal sogar mit der Sehnsucht nach einer großen Liebe. Dieser Wunsch geht nur selten in Erfüllung, vielmehr kann es zu sexuellen oder gewalttätigen Übergriffen kommen.

Die Ursachen für Obdachlosigkeit bei Frauen sind vielfältig: Bei jungen Frauen liegt manchmal ein Konflikt mit den Eltern vor - sie verlassen freiwillig ihr Zuhause oder werden hinausgeworfen. Andere können sich nicht in den Alltag eines Heims einordnen und müssen es verlassen. Später kann eine Trennung Auslöser für die Obdachlosigkeit sein. Eigene oder Schulden des Partners spielen eine Rolle, genauso wie Arbeitslosigkeit. Bei älteren Frauen reicht oft die Rente nicht mehr für die Miete, dazu kommen körperliche und psychische Erkrankungen.

Frauen wählen, im Gegensatz zu manchen Männern, nur extrem selten freiwillig die "Freiheit" der Obdachlosigkeit. "Wir kennen wenige Fälle", sagen die Fachfrauen. Im Gegenteil, die meisten obdachlosen Frauen sehnen sich nach einer eigenen Wohnung, um im "normalen Leben" wieder Fuß zu fassen.

Ein Lob geht von der Runde an die Stadt Heidelberg: Sie bemühe sich, Frauen so rasch wie möglich in Notwohnräumen unterzubringen. Das gelinge recht gut, im Gegensatz zu anderen Kommunen. Aber aus dieser Notlösung wird zu oft ein Dauerzustand - weil es in Heidelberg kaum günstigen Wohnraum gibt, schon gar nicht für diese Klientel. Noch vor einigen Jahren habe es auch in Heidelberg Vermieter gegeben, die obdachlosen Frauen eine günstige Wohnung bereitgestellt und ihnen damit eine Chance auf ein neues Leben gewährt hätten, so die Fachfrauen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Immer mehr einfache Wohnungen werden saniert, anschließend wird die Miete angehoben. Zudem ist die Konkurrenz mit Studenten auf dem Wohnungsmarkt hart, und es wird immer mehr Wohnraum an zahlungskräftige Medizintouristen vermietet.

Immerhin, vor Kurzem kam eine obdachlose Frau mit einem zwei Jahre alten Kind über eine Wohnungsgesellschaft an eine Bleibe - ein Glücksfall. Eine weitere Frau mit ihrer 16 Jahre alten Tochter wohnt seit vier Jahren in einem Notwohnraum und sucht dringend ein Zwei-Zimmer-Apartment - im Moment leider noch vergeblich. Dabei kann das Jobcenter über eine Abtretungserklärung die Miete direkt an den Vermieter überweisen. Inzwischen denken die sozialen Einrichtungen auch an eine Nachbetreuung der Frauen, um das Einleben in den eigenen vier Wänden zu erleichtern. Das Wichernheim bietet das schon jetzt an.

Info: Mehr Infos gibt es beim SKM-Frauenraum unter Telefon 06221 / 9853685 oder per E-Mail an frauenraum@skm-heidelberg.de

Quelle: Rhein- Neckar- Zeitung 12.07.2017

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