Kraichtal-Kliniken
Zu den Kraichtal-Kliniken gehört das Haus Kraichtalblick, ein Fachkrankenhaus für suchtkranke Frauen und das Therapiezentrum Münzesheim, ein Fachkrankenhaus für suchtkranke Männer.
Abhängigkeitserkrankungen
Sucht ist eine Krankheit - diese Erkenntnis, die bereits 1968 in einem Urteil des Bundessozialgerichts festgehalten wurde, hat sich in der Öffentlichkeit immer noch nicht ausreichend durchgesetzt. Jede/r kann suchtkrank werden - auch wenn manche Verhaltensweisen riskanter sind als andere.
Im Therapiezentrum Münzesheim werden zum größten Teil (ca. 75%) Alkoholabhängige behandelt. 15% leiden unter Spielsucht. Etwa 10% unserer Patienten sind abhängig von illegalen Drogen, häufig in Kombination mit Alkoholabhängigkeit.
Da Sucht keine Rücksicht auf Beruf und sozialen Status nimmt, sind bei uns alle Gesellschaftsschichten vertreten.
Essstörungen
Essstörungen sind heute weit verbreitet. Man unterscheidet drei Formen: Anorexie, Bulimie und Adipositas.
Anorexie äußert sich in der Verweigerung von Essen. Die Betroffenen magern extrem ab. Bulimie besteht aus anfallsweisem Überessen und Erbrechen. Sie kann zu Untergewicht, Übergewicht, aber auch zu einem normalen Körpergewicht führen. Von einer Adipositas spricht man bei einem ausgeprägten Übergewicht.
Allen drei Formen der Essstörung ist gemeinsam, dass die Betroffenen fast ständig an Essen denken und unter ihrem Problem stark leiden.
Die meisten Patientinnen, die mit einer behandlungsbedürftigen Essstörung zu uns kommen, leiden unter einer Bulimie. In einem indikativen Programm mit eigener Therapiegruppe und einem bewährten Programm zur Verhaltensmodifikation wird dieses Problem behandelt.
Pathologisches Spielen
Seit die modernen Geldspielautomaten mit Gewinnmöglichkeit in Gaststätten und Spielotheken immer beliebter wurden, hat die Anzahl krankhafter Glücksspieler deutlich zugenommen. Oft erreichen die Spieler den Punkt, an dem sie sich für eine stationäre Behandlung entschließen, erst dann, wenn hohe Schulden angefallen sind.
Glücksspieler nehmen mit den anderen Suchtkranken gemeinsam an dem vielfältigen Therapieprogramm teil. Zusätzlich kommen sie einmal in der Woche in einer Gruppe zusammen, in der sie sich mit speziellen Problemen ihrer Krankheit auseinandersetzen, z.B. mit der Frage, wie sie künftig mit Geld umgehen wollen. Die Patienten schätzen dieses Angebot, da sich in der Gruppenarbeit häufig sehr lebhafte Diskussionen entwickeln.
Asiatischer Garten
In 15jähriger Arbeit wurde einer der eindrucksvollsten asiatischen Gärten Europas angelegt. Der Garten ist ca. 1,5 ha groß. Neben vielen originalgetreuen Details wurde versucht, die Formensprache der Gartenbaukunst in Japan und China in die Pflanzenwelt unserer Klimazone zu übersetzen.
Auf einer Insel im See lädt ein chinesisches Teehaus zum Aufenthalt ein. In der warmen Jahreszeit ist es hier möglich, Kaffee zu trinken. Sämtliche Bauwerke und Kunstgegenstände wurden und werden von Patienten der Klinik nach alten Vorbildern hergestellt.
Der asiatische Garten steht allen Patienten jederzeit zur Verfügung. Insbesondere am Wochenende wird er auch gerne von der Bevölkerung der umliegenden Ortschaften aufgesucht. Dadurch wird die Klinik in der näheren und weiteren Umgebung bekannt und von der Bevölkerung anerkannt.
Freizeitangebote
Das Ziel unserer Therapie ist eine zufriedene Abstinenz, d.h. ein abstinentes Leben, das Inhalte hat und Spaß macht. Dazu gehört nicht nur Arbeit, sondern auch eine aktive Freizeitgestaltung. Die Bedeutung einer befriedigenden und aktiven Freizeitgestaltung zeigt sich auch daran, dass die meisten Rückfälle nicht während der Arbeit, sondern in der Freizeit geschehen. Deshalb ist es ein wichtiges Ziel unserer Therapie, dass unsere Patienten während der Behandlung Hobbies und Freizeitmöglichkeiten für sich entdecken.
Die Möglichkeiten, die das Therapiezentrum bietet, sind so vielfältig wie die Interessen unserer Patienten. In Stichworten:
Viele Patienten haben Spaß daran, sich in einem sportlichen Bereich weiterzuentwickeln. Tischtennisraum, Hallenbad, Kraftraum, Turnhalle und Spielflächen im Freien stehen auch außerhalb der Therapiezeiten zur Verfügung. Unser Volleyballteam holt regelmäßig Pokale bei Turnieren mit befreundeten Fachkliniken.
Auch die kreativen Angebote, wie Tonraum, werden gerne in der Freizeit genutzt.
Im Naherholungsbereich Kraichgau gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Ausflüge und Wanderungen zu unternehmen.
Eine umfangreiche Bibliothek mit über 1.000 Büchern, die ausgeliehen werden können, steht allen Patienten zur Verfügung.
Wer sich lieber im Internet informiert, seine E-mails abholen oder einfach nur etwas surfen will, kann kostenlos ein öffentlich zugängliches Internet-Terminal benutzen.
Medizinische Abteilung
Leitender Arzt
Dr. Martin Beutel,
Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Suchtmedizin, Rehabilitationswesen
Oberärztin
Gabriele Öfinger
Fachärztin für Allgemeinmedizin
Stationsärztin
Birgit Krieger
Suchtkranke leiden häufig an Folgekrankheiten, die durch das jeweilige Suchtmittel hervorgerufen wurden, z.B. Erkrankungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse oder des Nervensystems. Oft bestehen noch zusätzliche Krankheiten, die indirekt durch die Suchtkrankheit begünstigt werden, wie z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herz- und Lungenerkrankungen sowie Krankheiten im Magen-Darm-Bereich.
Die umfangreiche räumliche und apparative Ausstattung der Klinik erlaubt eine medizinische Diagnostik und Therapie nach modernsten Standards (Ultraschall der Bauchorgane, der Schilddrüse und der Weichteile, Duplex- und Farbdopplersonographie der organversorgenden und peripheren Blutgefäße, Ultraschall des Herzens (Echokardiographie), Magen- und Darmspiegelung, EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-Blutdruckmessung, Lungenfunktion). Die psychiatrische Behandlung erfolgt in Kooperation mit der benachbarten Fachklinik Haus Kraichtalblick.
Kinder
Kinder sind von der Suchterkrankung ihrer Mütter immer massiv mit betroffen. Oft entsteht der Wunsch, sich in einer Therapie von der Sucht zu befreien, auch dadurch, dass man seinem Kind eine bessere Mutter sein will. Deshalb nehmen wir Kinder suchtkranker Mütter mit auf. Auch schwangere Patientinnen können zur Therapie kommen, bei Bedarf kann die Entbindung während der Therapiezeit in einem Krankenhaus geschehen.
Während der Therapiezeit sind Mutter und Kind oft zusammen. Sie bewohnen ein gemeinsames Zimmer. Bei Bedarf wird die Mutter von dem medizinischen Personal der Klinik bei der Kinderpflege unterstützt. In der Müttergruppe dreht sich alles um Pflege und Erziehung des Kindes. Während der Vormittage wird das Kind im klinikeigenen Kindergarten betreut, damit die Mutter Zeit hat, an der Therapie teilzunehmen.
Therapieprogramm
Sucht ist eine Krankheit, die den ganzen Menschen erfasst. Deshalb ist unsere Therapie ganzheitlich ausgerichtet.
Grundlage der Therapie ist strikte Abstinenz. Wir empfehlen, vor Beginn der Entwöhnungsbehandlung eine Entgiftung durchzuführen. Wenn dennoch zu Beginn Entzugserscheinungen auftreten, werden sie bei Bedarf medizinisch behandelt.
In der Gruppen- und Einzeltherapie werden Ursachen und Bedingungen der Suchterkrankung untersucht. Neue Verhaltensweisen und Perspektiven werden entwickelt. In der Therapiegruppe, die während der gesamten Behandlungszeit zusammenbleibt, entstehen rasch Vertrauen und gegenseitiger Respekt.
Parallel zur psychotherapeutischen Arbeit beginnt die medizinische Diagnostik. Körperliche Folgeschäden, aber auch unabhängig bestehende Erkrankungen werden diagnostiziert und behandelt. So weit wie möglich werden hier auch physikalische Maßnahmen eingesetzt: Massagen, Bäder, Elektrotherapie, Kneippsche Anwendungen stehen in der umfangreichen Badeabteilung zur Verfügung.
In der Beschäftigungstherapie können kreative Fähigkeiten (wieder)entdeckt werden. Bei der Beschäftigung mit verschiedenen Materialien und Techniken ist für jedes Interesse etwas dabei. In der Beschäftigungstherapie entstehen alle getonten Gegenstände für den asiatischen Garten (Statuen, Zierelemente, Dachziegel usw.).
Ein zentrales Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit. Um wieder fit für den Beruf zu werden, bestehen in den Werkstätten der Arbeitstherapie Trainingsmöglichkeiten für viele Materialien. Folgende Werkstätten sind vorhanden: Metallwerkstatt, Schreinerwerkstatt, Gärtnerei, Druckerei, Haustechnik.
Für Patienten, die arbeitslos sind oder die sich beruflich neu orientieren wollen, kommen regelmäßig Berater der Agentur für Arbeit und der LVA in die Klinik. Gemeinsam mit den Agenturen für Arbeit in Baden-Württemberg werden Arbeitslosen besondere Angebote zur beruflichen Wiedereingliederung gemacht.
Wer Interesse hat, den Umgang mit Computern zu erlernen oder zu verbessern, kann an einem Computerkurs teilnehmen, der zu einem anerkannten Abschlusszertifikat führt. Darüber hinaus steht der Computerraum außerhalb der Kurse für eigene Übungen zur Verfügung.
Neben Arbeit und Therapie steht die Information: Im Patientenunterricht kann man alles über Sucht, medizinische Fragen und lebenspraktische Themen erfahren.
Nicht nur die geistige, auch die körperliche Fitness will trainiert sein. Im Sport mit Turnhalle, Freigelände, Kraftraum, Tischtennisraum, Hallenschwimmbad usw. findet jeder eine Möglichkeit, sich körperlich wieder zu regenerieren.
Ganz wichtig für die Entwicklung neuer Verhaltensstrategien ist das Zusammenleben in der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft der Patienten hilft, die Therapiezeit gut zu nutzen. Sie trägt über Krisen und Rückfallgefährdungen. Sie ist da, wenn es darum geht, einfach nur mit anderen Spaß zu haben. In der Gemeinschaft können neue Verhaltensstrategien erprobt und neue Erfahrungen gemacht werden.
Weil Selbsthilfegruppen für die meisten Suchtkranken eine wesentliche Hilfe zu dauerhafter Abstinenz sind, kommen regelmäßig Selbsthilfegruppen zu uns in die Klinik. So können erste Kontakte mit der Selbsthilfe geschlossen werden, die nach der Therapie zu neuen Freundschaften führen.
Familientherapie
Sucht ist eine Familienkrankheit. Deshalb ist uns die Einbeziehung der Angehörigen in die Therapie sehr wichtig. In 3-tägigen Familienseminaren können sich auch die Angehörigen über Suchtkrankheiten informieren. Gemeinsam mit den Patienten werden Wege gesucht, nach der Therapie gemeinsam einen neuen Anfang zu machen. Zusätzlich laden wir bei Bedarf zu Angehörigengesprächen ein.
Auch außerhalb der Seminare freuen wir uns über Besuche von Angehörigen, Übernachtungen sind in unserem Gästehaus möglich.



