Evangelische Stadtmission Heidelberg e.V.

Verhaltenssüchte

Kaufsucht, Sportsucht, Arbeitssucht, Internet-Abhängigkeit oder Sexsucht sind häufig vorkommende ‚Verhaltenssüchte’, von der immer mehr Menschen betroffen sind, die aber auch in den Medien oft spektakulär dargestellt werden. Nicht alle sind eigenständige Störungsbilder.
Das süchtige Verhalten dient dabei z. B. zur Stimmungsveränderung, zur Spannungsreduktion, zur Stressbewältigung oder zum Aufbau und Stabilisierung des Selbstwertgefühls.

In einem gewissen Ausmaß wird exzessives Verhalten durch gesellschaftliche Konventionen gefördert, gefordert und unterstützt: Konsum von Waren und Dienstleistungen (Kaufen), berufliches Engagement (Arbeiten), Benutzung elektronischer Medien (Computerspiele, Internetkommunikation), gesundheitsbewusste körperliche Betätigung (sportliches Training). Als krankhaft werden diese Verhaltensmuster bezeichnet, wenn sie hinsichtlich der Häufigkeit des Verhaltens ein vertretbares Ausmaß überschreiten, wenn sie einen (zu) großen  Teil des eigenen Lebensraums oder des Lebensalltags einnehmen, wenn das Selbstwertgefühl der Betroffenen von der Weiterführung der Verhaltensweisen abhängig ist und wenn erhebliche negative und nicht mehr tragbare Folgen solcher Exzesse eingetreten sind.

Als eine von bundesweit 17 teilnehmenden Beratungsstellen am Bundesmodellprojekt „Frühe Intervention beim Pathologischen Glücksspiel“ unter Koordination der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bieten wir den vom Glücksspiel Betroffenen sowie den Angehörigen kompetente Hilfe an.

Pathologisches Spielen

Glücksspiel

Die Begriffe Spielsucht, süchtiges bzw. pathologisches Spielen/Spielverhalten/ Glücksspiel werden in der Regel synonym verwandt.

Das "pathologische Glücksspielverhalten", so der Fachbegriff, betrifft derzeit in der Mehrzahl Männer. Experten gehen jedoch davon aus, dass der Anteil der Frauen unter den glücksspielabhängigen Menschen heute bereits bei 30 % liegt.

Die Gesamtzahl der Betroffenen in Deutschland wird auf 400.000 geschätzt. Pathologisch Glücksspielende spielen oft viele Stunden täglich. Verlieren sie, spielen sie weiter, in der Hoffnung, dass sich das Blatt wieder wenden wird.

Finanzielle Probleme und Schulden sind dem entsprechend die häufigsten Folgen des pathologischen Glücksspieles.

Das pathologische Glücksspiel wird bereits seit rund 20 Jahren als psychische Krankheit behandelt. Seit 2001 gibt es das Angebot der ambulanten und stationären medizinischen Rehabilitation bei pathologischem Glücksspiel.

Das Glückspiel zeichnet sich dadurch aus, dass der Spielausgang überwiegend vom Zufall bestimmt ist und es einen äußeren Anreiz in Form eines Geldgewinns gibt. Entgegen anderen Formen des Spielens, wie Gesellschaftsspiele, Theaterspiele, etc., die Grundvoraussetzungen für persönliche Entwicklung geben.

Kaufsucht

Rund sieben Prozent der deutschen Erwachsenen sind als stark kaufsuchtgefährdet einzuschätzen. Der Anteil der Frauen beträgt rund 66 Prozent.

Die Übergänge von einem exzessiven Kaufverhalten zu einer Kaufsucht sind fließend. Kaufsüchtige Menschen sehen das Kaufen meist als einzige Chance, ihre Probleme zu lösen, bzw. kurzzeitig zu vergessen. Sie kaufen regelmäßig Konsumgüter, die sie nicht brauchen oder teilweise nicht einmal auspacken. Zu Hause werden die Gegenstände gehortet – oft folgt nach dem Kauf direkt das schlechte Gewissen und das gewünschte Hochgefühl verschwindet wieder. Nun konsumiert der Betroffene immer mehr um erneut die gewünschte Wirkung zu erzielen. Suchtkriterien sind somit unter anderem Entzugserscheinungen, Kontrollverlust sowie die Unfähigkeit nichts zu kaufen.

Hinter der Kaufsucht verbergen sich ganz unterschiedliche Ursachen: Ängste, Depressionen, innere Leere, geringes Selbstwertgefühl. Das Kaufen ist der Versuch, diese Gefühle in Griff zu bekommen. Der Betroffene kommt in einen Teufelskreis: negative Gefühle wie Ärger, Stress führen zum Kaufen. Das Kaufen führt nach kurzer Zeit zu Schuldgefühlen, Depressionen. Diese werden mit erneuten Käufen zu bewältigen versucht.

Internet-Abhängigkeit

Internet-Abhängigkeit (Internet Addiction Disorder) ist eine relativ neue Erscheinung. Die individuelle Ausprägung wandelt sich rasch – so, wie sich das Internet selbst ständig ändert. Die Häufigkeit von Internet-Abhängigkeit wird – je nach untersuchter Stichprobe – auf etwa 5% der Internet-Nutzer geschätzt.

Ähnlich wie bei der Spielabhängigkeit ist es so, dass wenn bestimmte Ereignisse eintreten, Glücksgefühle durch Ausschüttung von Endorphien im Gehirn produziert werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass beim stundenlangen Spielen oder Fernsehen das Leben mit all seinen Problemen vergessen wird. Beim vollständigen Versinken in die virtuelle Welt von Computern oder beim Fernsehen entspannt sich der Körper, das passive Konsumieren wird als wohltuend empfunden. Betroffene verbringen oft mehrere Stunden täglich mit den bevorzugten Medien und vernachlässigen dabei Familie, Freunde und Freizeitaktivitäten. Je intensiver die Beschäftigung mit dem jeweiligen Medium ist, desto weniger wert wird auf andere Interessen gelegt. Jobverluste können eine Folge dessen sein.

Es besteht ein großer  Bedarf an aufklärender Information und übersichtlichere Wege zum Hilfesystem. Internet-Abhängigkeit hat einen langen Vorlauf und die Weichen dazu werden oft schon im Kleinkindalter gestellt. In vielen Familien ist der Medienkonsum ein nahezu unlösbares Problem geworden und die Hilflosigkeit der Eltern ist nach unserer Erfahrung groß.

Internetabhängigkeit - z.B. Online-Rollenspiele (World of Warcraft usw), Online-Communities, Chatten oder Cybersex - beschreibt den zwanghaften Drang zu unkontrollierten Aktivitäten im Internet. Das Netz wird zum wichtigsten Bestandteil im Tagesablauf, vergleichbar mit der Spielsucht, für den Betroffenen gerät das soziale, finanzielle und emotionale Gleichgewicht ins Wanken.

Immer häufiger kommt es zum Zerbrechen von Beziehungen bzw. zum Verlust des Arbeitsplatzes. Aufgaben und Verpflichtungen im wirklichen Leben können nicht mehr wahrgenommen werden. Kontrollverlust und die zunehmende Unfähigkeit, die Internetaktivitäten einzuschränken, führen immer wieder zu Schuldgefühlen.

Betroffene versuchen, ihre Abhängigkeit vor Freunden und Bekannten zu verheimlichen. Immer mehr ziehen sie sich von der Außenwelt und der Realität zurück und surfen wird immer mehr zum Mittelpunkt ihres Lebens.